An alle die meinen Blog abonniert haben:

Ich ändere ab heute den Titel auf „Mobile Radar“ und werde dementsprechend über die derzeit aufstrebenden neuen Mobile Computing Plattformen schreiben. Dazu zählen vor allem die iPhone Plattform, Google Android aber auch die Anfang 2009 erscheinende Windows Mobile 7 Plattform, sowie alles was Nokia mit Symbian noch anstellen wird. Anders ausgedrückt: alle mobilen Systeme die eine Touch oder Multi-Touch Bedienung haben und programmierbar sind.

Warum mobile Plattformen und warum jetzt?

Ich hab schon 2005 versucht eine Software zu entwickeln die im Kern dem heutigen iPhone App Store sehr ähnlich war, nur auf Java J2ME Basis und natürlich bei weitem nicht so elegant. Das Potential von mobiler Software ist schier unglaublich und ein noch total offenes Marktfeld. Bisher haben jedoch viele Umstände den Aufstieg von mobilen Anwendungen aufgehalten. Ich fasse kurz die 3 für mich zentralsten Punkte zusammen (stelle jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit):

Die Kontrolle der Mobilfunker über die letzte Meile

Die Mobilfunker, wie T-Mobile oder Vodafone, haben es bis jetzt sehr gut verstanden den Kunden in der Auswahl einzuschränken in dem sie die Hersteller gezwungen haben die Telefon-Software so zu konzipieren, dass man die mitgelieferte Standard Software nur schwer anpassen und ändern kann. Dinge die auf dem PC ganz normal scheinen, wie beispielweise das Installieren einer beliebigen Mail Applikation sind auf Handy Plattformen nur sehr schwer bis gar nicht möglich. Meistens ist die einzige Möglichkeit Zusatzsoftware zu installieren über hochgradig (bewusst) eingeschränkte Java Software. Zu allem Übel sind alle bisher mitgelieferten Handy Browser einfach nur ein schlechter Witz und hat es trotz dieser Umstände eimal ein Dienst geschafft ein bißchen populär zu werden, griff man zu diversen Gegenmaßnahmen bis hin zur Sperre des kompletten Dienstes (außer man verdiente daran kräftig mit, wie etwa bei Klingeltönen).

Diese Kontrolle ist nunmehr de facto Geschichte und das iPhone spielte dabei eine große Rolle.


Bedienung der Geräte (sofern man sie so bezeichnen kann)

Apple exerziert uns allen vor wie es funktioniert. Trotzdem scheint die gesamte Industrie unfähig zu sein auch nur die simpelsten User Experience Basics auf die Reihe zu bekommen. Ich weiß nicht wer dort arbeitet und will nicht behaupten das ich alles verstehe, aber zumindest würde ich bei Nokia, Microsoft & Co dafür sorgen, dass sie zumindest die offensichtlichen Sachen von Apple kopieren. Es gibt so viele Ecken und Kanten, ich beschränke mich deshalb hier nur auf einen Versuch zu erklären warum Drittanwendungen bisher nicht funktioniert haben:

Der Grund warum niemand das Telefon außer für Telefonieren und SMS verwendet ist schlicht und einfach mit teils trivialen Details in der User Experience zu erklären. Will man  Otto Normal User erklären wie man eine Applikation installiert, so muss man überhaupt einmal erklären wo man diese bekommt, dann wie man rausfinden kann ob das mit dem eigenen Telefon kompatibel ist, danach wie man die 22 Schritte ausführt um die Anwendung zu installieren und wie man die soeben installierte Applikation in den verwirrenden Untermenü wieder finden kann. Jeder normale Benutzer steigt sowieso schon bei Punkt 2 aus, der wichtigste Punkt ist dabei noch gar nicht geklärt: Warum sollte er überhaupt eine Applikation installieren?

Nachricht an alle: Otto Normal User wird die Frage „Wollen sie ihr Telefon für etwas anderes als SMS und Telefonieren verwenden“ immer und wirklich immer mit nein beantworten. Deswegen kann man Sachen wie Kundenbefragungen gleich vergessen.

Leider ist es so und ich zitiere dabei Steve Jobs: „Meistens wissen die Leute nicht was sie wollen bis man es ihnen zeigt.“

Wie soll also jemand wissen, dass es nützlich ist ein Wetter Widget auf dem Telefon zu haben, wenn er diese Applikation weder findet, geschweige denn weiß das sie überhaupt existiert.

Nun zu dem was Apple besser gemacht hat.

Zum einen ist der App Store direkt auf dem Telefon. Das ist sehr zentral, denn die Leute werden dort aus demselben Grund stöbern, wegen dem sie auf YouTube Videos ansehen – weil ihnen fad ist. Das alleine bringt schon einen Boost für das ganze Plattform Ökosystem.  Weiters ist jede Applikation mit einem Fingerklick installiert. Keine lästigen Fragen, keine Kompatibilitätsprobleme und auch keine Bedenken wegen möglicherweise anfallenden Datenkosten. Sobald die Applikation installiert ist sitzt sie mit einem hübschen Symbol prominent auf dem Home Screen. Bei Symbian findet man ja nicht mal die von Nokia mitgelieferten Applikationen. Als ob das nicht schon genug wäre, wird auch noch jede Applikation automatisch aktualisiert, sollte es eine neue Version geben. Das funktioniert besser als auf dem Desktop.

Diese absolut einfache Deployment Umgebung gepaart mit der simplen Abrechnung über den iTunes Account ist für jeden Software Entwickler (und Unternehmer) ein Traum. Warum gibts sowas auf dem N95 nicht?


Datenpaket-Wirrwarr

Nicht den Handy-Browser öffnen, weil das kostet ja ein Vermögen, oder?

Ich weiß nicht wie oft ich diesen Satz schon gehört hab und das auch nicht zu unrecht. Die Kosten für mobiles Internet sind (bzw waren) wahrscheinlich die größte Abzocke in der Wirtschaftsgeschichte, oder kennt sonst irgendjemand ein Produkt bei dem Anbieter es wagten teils über 1 Million Prozent auf den sonst üblichen Marktpreis aufzuschlagen?

Die beste Antwort geben die Provider jedoch selbst. Auf die Frage warum denn Mobiles Internet mit dem Handy so viel teurer ist als mit der mobilen Datenkarte antwortete eine genervte Telefonistin eines heimischen Mobilkom Providers so und ich zitiere:

„Das Handy hat ja ein viel kleineres Display und die übertragenen Websiten verbrauchen deswegen auch nicht so Datenvolumen. Damit dann das Verhältnis passt muss der Preis teurer sein.“

Logisch, oder ;-)

–> Mobile Radar Blog

Ich werde hier in nächster Zeit über meine Sicht der Dinge zu den bevorstehenden Mobilen Plattform Kriegen, der Frage Mobile Web vs. Mobile Apps und anderen „Mobile 2.0″ Fragen schreiben. Hoffentlich bekomme ich auch Input von eurer Seite!

Mobile Anwendungen sind das neue Internet. Die Ausgangssituation ist für alle ähnlich. Es gibt noch keine Experten und keine wirklichen Erfolgsstories. Lasst uns welche machen…

2 Responses to “Mein neuer Blog: Mobile Radar”

  1. Sebastian Says:

    Ich find’s toll, dass du deinen Blog in diese Richtung änderst – das ist ein höchst interessantes Thema!

    Ich stimme dir aber nicht zu, dass mobile Anwendungen das neue Internet sind. Das Internet auf Mobile Devices wird die Hauptanwendung werden und bleiben, die Anwendungen werden nur ergänzend sein.
    Bei den meisten Web-Anwendungen macht es keinen Sinn, stattdessen ein Programm zu schreiben – schon gar nicht, wenn die Betriebssysteme immer mehr werden (iPhone, Symbian, Android, Windows Mobile, vl irgendwann das neue Linux-basierte Palm, andere Mobile Linux-Initiativen).
    Das iPhone wird eine Zeit lang einen Vorteil haben, da es die erste Plattform mit guter API und UI/UE ist, aber die anderen Plattformen werden schnell aufholen.

    Ich gehe davon aus, dass auch weiterhin bzw. in Zukunft immer mehr Mobile Apps im Internet laufen werden. Die Installationshürde ist trotz App Store niedriger (nämlich nicht existent), gute Browser (iPhone’s Safari, Android’s Webkit-basierter Browser, Opera Mobile, Firefox Mobile) erlauben auch ein auf mobilen Geräten besonders nützliches Mindestmaß an Interaktivität.

  2. Matthias Says:

    Interessante Perspektive für das neue Blog! Viel Erfolg damit, ich lese auf alle Fälle mit. Mein neues Blog startet nächste Woche, exakt am 01.07. (in englischer Sprache).


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